Alternative zum Schulsystem

Alternative Lernmöglichkeiten werden immer gefragter. Häuslicher Unterricht ist eine Sache, aber da gibt es auch noch „Freilerner.at – Verein zur Förderung freier und selbstbestimmter Bildung“. Eine ganz andere Möglichkeit, die im Mainstream noch wenig Beachtung findet. Joya Marschnig, eines der „Urgesteine“ der Freilerner, hat dem Wochenblick ein Interview gegeben.

    • Alternative zum starren Schulsystem – Gründung des Vereins „Freilerner“ 2010, 2015 Abgrenzung vom häuslichen Unterricht
    • „Positionspapier“ 2019 – 3 Säulen des Freilernens
    • Ersatzfreiheitsstrafe im PAZ Graz nach Beschwerde beim VwGh
    • Behördenwillkür – Externistenprüfung nur in vorgeschriebenen Schulen erlaubt

Wochenblick: Frau Marschnig, wie alt ist Ihr Kind und was hat Sie dazu bewogen, alternative Lernmethoden zu suchen?

Joya Marschnig: Meine Tochter ist mittlerweile 23 Jahre alt. Mit 6 Jahren hat sie eine Musik-Volksschule besucht.

Bereits nach 2 Monaten hat uns ihre damalige Lehrerin gesagt, dass ihre Arbeitshaltung nicht passt. Das erste Schuljahr haben wir aber trotzdem mehr schlecht als recht an einer Schule absolviert. Meine Tochter war dann bereits völlig entmutigt und ich musste was ändern.

Deshalb habe ich sie gleich nach der ersten Klasse Volksschule zum häuslichen Unterricht abgemeldet. Bereits 2006 machte ich mich österreichweit auf die Suche nach gleichgesinnten Eltern.

So ist überhaupt die Idee entstanden, eine Alternative zum starren Schulsystem zu finden und sich dafür starkzumachen. Meine Tochter wäre im Schulsystem zerbrochen. Ich wollte sie bestmöglich unterstützen.

Wochenblick: Wie lief das in weiterer Folge ab?

Joya Marschnig: Wir haben die gesamte Volksschulzeit im häuslichen Unterricht verbracht. Die Schulbücher bekommt man dazu von der Regelschule. Wir machten die vorgeschriebenen Externistenprüfungen an einer Volksschule mit Montessori-Schulversuch. Meine Tochter lernte nach freier Zeiteinteilung und brauchte für das Erlernen des Schulstoffs nur etwa ein Drittel der Zeit.

Sie hatte somit viel freie Zeit, konnte sich mit ihren Interessen beschäftigen und vieles selbst entdecken und erforschen. Meine Tochter hatte zuhause nicht nur Schulstoff gelernt, sondern auch viele Werke, zeichnerisch und handwerklich, gefertigt. Die Prüfung war somit eigentlich ein Präsentieren ihrer schönsten Werke. Das bleibt mir bis heute in sehr positiver Erinnerung!

Wochenblick: Wann ist dann der Verein entstanden? Was sind die Grundsätze des Vereins „Freilerner.at“?

Joya Marschnig: 2010 entstand der Verein „Freilerner“ zur Unterstützung von Familien im Häuslichen Unterricht. 2015 erfolgte dann die eindeutige Abgrenzung zum häuslichen Unterricht und die klare Positionierung zum selbstbestimmten Lernen der jungen Menschen. Diese folgen dabei ihren ganz eigenen Interessensgebieten, Begabungen und ihrer Begeisterung. Von uns Erwachsenen werden sie begleitet und unterstützt, wir geben ihnen aber nichts vor.

Im November 2019 entstand als Gemeinschaftsentscheidung unser enorm wichtiges Positionspapier. Es geht vor allem darum, informelle Bildungswege schnellstmöglich zu legalisieren! Bereits seit Jahrzehnten ist wissenschaftlich erwiesen, wie Lernen funktioniert. Intrinsische Motivation, individuelle Begleitung, Begeisterung und das Lernen im eigenen Tempo stehen dabei im Mittelpunkt.

Die Ablegung einer jährlichen Externistenprüfung nach dem staatlichen Lehrplan steht dazu im Widerspruch. Freilernen bedeutet „Unschooling – freies selbstbestimmtes Lernen“. Die drei Säulen sind Intrinsische Motivation, Informelles Lernen und Individuelle Entwicklung. Mehr dazu auf unserer Website bzw. in dem Positionspapier.

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https://www.wochenblick.at/alternative-zum-schulsystem-eltern-unterrichten-kinder-selber/

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